Soziale Bedeutung

Das Forschungsthema Soziale Bedeutung befasst sich mit denjenigen Informationen, die Aspekte von Sprechereigenschaften, Überzeugungen, Haltungen und Identitäten ausdrücken, wie sie in den jeweiligen sozialen Welten von Sprechern und Hörern existieren. Diese Informationen können unter anderem in der Variation von phonetischen Details, Morphemen, Wörtern oder Konstruktionen kodiert sein. 

Phonetische und sprachliche Entscheidungen von Sprechern haben das Potenzial, unbewusste und bewusste Einstellungen hervorzurufen und deren Eigenschaften und Haltungen zu indizieren. Diese Bedeutungsaspekte können auf komplexe Weise mit logischer Bedeutung und pragmatischen Schlussfolgerungen interagieren. Wenn zum Beispiel eine Sprachvariante einmal als einem bestimmten Kontext oder einer bestimmten sozialen Gruppe zugehörig erkannt wurde, kann sie dazu verwendet werden, die Zugehörigkeit zu und die Identifikation mit dieser Gruppe zu indizieren. Die Wahrnehmung einer solchen Variante kann dazu führen, dem Sprecher und seiner Identifikation mit sozialen Gemeinschaften positive oder negative Werte oder moralische Urteile zuzuschreiben.  

In unserer Arbeit untersuchen wir, wie Sprecherentscheidungen mit sozialen Bedeutungen verbunden sind und zeigen dabei auf, wie sprachliche Überzeugungen in die breiteren sozialen und kulturellen Systeme integriert sind, zu denen die Sprecher und Hörer gehören.  

Zu dem Forschungsthema tragen am ZAS Wissenschaftler*innen bei, die sich mit Spracherwerb, Sprachkontakt, Höflichkeit, Verunglimpfungen, Spieltheorie, Pragmatik, Semantik und Phonetik befassen. 

Das Forschungsthema wird gestützt durch das Marie-Curie-Projekt How Language is used to oppress  (Popa-Wyatt) und durch drei Projekte des SFB Register: (a) Variation in situierter Interaktion (Jannedy), (b) Sprecherwahl in Kreolsprachcommunities: Bislama and Morisien (Krifka & Veenstra) und (c) Die Modellierung von semantischen Registerunterschieden (Solt & Sauerland) sowie die erfolgreiche Teilnahme an der Marie-Curie-ITN Ausschreibung ConversationalBrains (Fuchs). Ein weiteres Drittmittelprojekt, das zu dem Forschungsthema beiträgt, ist das DFG-Projekt Die Beziehung zwischen sozialem und grammatischem Geschlecht: ein neuartiger soziotheoretischer Ansatz (Steriopolo).