PB3 - Lexikalische Konditionierung syntaktischer Strukturen - Satzeinbettende Prädikate

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Aktuell: Der gegenwartsdeutsche Teil der ZAS-Datenbank zu satzeinbettenden Prädikaten ist jetzt als Public Beta öffentlich zugänglich:

http://www.owid.de/plus/zasembed2017/

Im Programmbereich PB3 wird das Wechselspiel zwischen den spezifischen lexikalischen Forderungen satzeinbettender Prädikate wie behauptenfragenversprechensich weigernscheinen und den in der betreffenden Sprache auftretenden syntaktischen Subordinationsstrukturen untersucht. Ziel ist dabei auch herauszufinden, inwieweit es systematische Verbklassen gibt und inwieweit die lexikalische Semantik der Prädikate ihr Satzeinbettungsverhalten determiniert. Untersucht wird unter anderem auch nicht-kanonisches Einbettungsverhalten, implizite Kausalität und Finitheit, sowie die Rolle der satzeinbettenden Prädikate in dynamischen Sprachsituationen wie Sprachwandel und Sprachkontakt.

Forschungsthemen

Zur Herleitung syntaktisch wohlgeformter Sätze ist neben einem allgemeinen syntaktischen Regelwerk eine lexikalische Komponente erforderlich, die die spezifischen syntaktischen Vorgaben der betreffenden Prädikate erfasst. Der lexikalische Einfluss auf die Syntax zeigt sich insbesondere bei satzeinbettenden Prädikaten wie behauptenfragenversprechensich weigernscheinen etc.: So unterscheiden sich beispielsweise Prädikate im Hinblick auf den Satztyp des eingebetteten Satzes (fragen, ob ... aber nicht fragen, dass ...behaupten, dass ... aber nicht behaupten, ob ...sich weigern zu ... aber nicht sich weigern, dass ...) oder der durch sie auftretenden Implikationen (x verspricht y zu kommen  → x versucht zu kommen; x überredet y zu kommen → y soll kommen).

Im Programmbereich wird eine Datenbank zu satzeinbettenden Prädikaten der verschiedenen Sprachen und Sprachstufen verwendet und fortwährend erweitert, um Abfragen zu Prädikatsklassen zu ermöglichen und eine nachhaltige Erfassung der Daten zu garantieren. In die Datenbank werden jeweils annotierte Korpusbelege aufgenommen, die das Einbettungsverhalten der betreffenden Prädikate nach Möglichkeit umfassend dokumentieren. Der gegenwartsdeutsche Teil der Datenbank ist jetzt zugänglich als Public Beta unter http://www.owid.de/plus/zasembed2017/. Diese veröffentlichte Version, sowie ihre eigens entwickelte Suchoberfläche, wurde durch eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Deutsche Sprache ermöglicht, auf dessen OWIDplus-Plattform die Datenbank gehostet wird.

Im Teilbereich Status und Realisierung des Satzarguments untersuchen wir sprachvergleichend zwei bislang relativ vernachlässigte Aspekte der Satzeinbettung: Mittels welcher Kasus/Adpositionen werden Satzargumente realisiert (z. B. im Deutschen optionales Korrelat bei (dar-auf) hoffen und bei sich (dessen) bewusst sein, aber obligatorisches Korrelat bei dar-auf bestehen)? Welche Operationen, die ein Prädikat um ein Satzargument erweitern oder reduzieren (z. B. jemandem einhämmern, dass..., aber nicht hämmern, dass...), finden sich in den Sprachen der Welt?

Im Teilbereich Frageeinbettung untersuchen wir die frageeinbettenden Prä­di­ka­te, welche ihrer semantischen Eigenschaften welche logische Form des komplexen Satzes bedingen, z.B. Max hört, ob Lea kommt wird durch die Disjunktion 'Max hört, dass Lea kommt oder Max hört, dass Lea nicht kommt' paraphrasiert oder Max schließt aus den Messwerten, ob es ge­schneit hat lässt als Paraphrase zu 'Wenn A, dann schließt Max daraus, dass es ge­schneit hat und wenn nicht A, dann schließt Max daraus, dass es nicht ge­schneit hat. Des Weiteren wird untersucht, auf welchen Aspekt einer Frage sich die jeweilige Ein­bettungskonstruktion bezieht, z.B. (wahre) Antwort auf die Frage bei wissen und gestehen, Bedingungen für die Beantwortung einer Frage bei berücksichtigen, Report einer indirekten Aufforderung oder Mitteilung bei anbetteln und witzeln, Art der Frageäußerung bei jammern, etc.

Im Teilbereich Nicht-kanonische Argumentrealisierung untersuchen wir sprachvergleichend Prädikatklassen, deren propositionale Argumentstellen nicht kanonisch spezifiert werden. So kann das Satzargument bei bestimmten Prädikaten durch ein Adverbial realisiert werden: Er bedauert es, wenn sie krank ist. Oder es wird in bestimmten Konstruktionstypen durch einen ob-Satz zur Verfügung gestellt, obwohl das Matrixprädikat keine Interrogative selegiert: Wir können es weder bestätigen noch widerlegen, ob der Kurs gefallen ist.

Im Teilbereich Implizite Kausalität entwickeln wir eine semantische Theorie der implizit kausalen (IC) Verben, die unter anderem (satzeinbettende) Psychverben umfassen. Die Analyse berücksichtigt sowohl die Tendenz dieser Verben, Erklärungen im Diskurs hervorzurufen als auch die Präferenzen für eine anaphorische Referenz auf nur eines der beiden Verbargumente in diesen Erklärungen. Zusätzlich zur theoretischen Analyse führen wir noch psycholinguistische Experimente durch, unter Einsatz von sowohl Online- (z.B. Eyetracking beim Lesen) als auch Offlinemethoden (etwa Produktionsexperimente).

Im Teilbereich Finitheit und Abhängigkeit bei Satzeinbettung gehen wir dem Begriff der Finitheit auf den Grund. Wir versuchen die unterschiedlichen Grade an Finitheit, die sich bei unterschiedlichen eingebetteten Satztypen erkennen lassen, durch den Ausmaß der Abhängigkeit des eingebetteten Satzes vom Matrixsatz zu verstehen. Diese Abhängigkeit kann man in mindestens zwei Dimensionen erkennen -- bei der Referenz des Subjektes und bei der temporalen Interpretation. Wir untersuchen inwieweit diese Grade der Abhängigkeit in der syntaktischen Struktur realisiert werden, und wie dies mit den semantischen Eigenschaften der satzeinbettenden Prädikate interagiert.

Im Teilbereich Satzeinbettende Prädikate in Kreolsprachen beschäftigen wir uns mit dem aus einem Sprachkontakt resultierenden Wandel von satzeinbettenden Prädikaten. In Kreolsprachen liegt eine Kontaktsituation zwischen einer Superstratsprache (typischerweise eine europäische Sprache) und einer oder mehreren Substratsprachen (z. B. westafrikanische Sprachen) vor. Uns interessiert, inwieweit die satzeinbettenden Prädikate das lexikalische Verhalten entsprechender Prädikate aus dem Superstrat oder Substrat aufweisen oder davon unabhängige Verwendungen entwickelt haben, die auf allgemeine Prinzipien der Satzkomplementation und Semantik-Syntax-Abbildungsbeziehungen zurückgeführt werden können.

Publikationen

  • Bezhanishvili, Nick, Sebastian Löbner, Kerstin Schwabe & Luca Spada (eds.). 2011. Logic, Language, and Computation (8th International Tbilisi Symposium on Logic, Language, and Computation, TbiLLC 2009, Bakuriani, Goeorgia, September 2009, Revised Selected Papers (Lecture Notes in Artificial Intelligence (LNIA)). Heidelberg: Springer.
  • Downing, Laura & Barbara Stiebels. 2012. Iconicity. In Jochen Trommer (ed.), The morphology and phonology of exponence, 379-426. Oxford: Oxford University Press.
  • Grimm, Scott. 2010. An Empirical View on Raising to Subject. In Melanie Weirich & Stefanie Jannedy (eds.), Papers from the Linguistics Laboratory. ZAS Papers in Linguistics 52, 83-109.
  • Jędrzejowski, Łukasz. 2012. What is it that keeps the rein on quotative modals so tight? A cross-linguistic perspective. In Werner Abraham & Elisabeth Leiss (eds.), Modality and Theory of Mind Elements across Languages, 425-453. Berlin: de Gruyter.
  • Kilu von Prince. 2012. Nominal Possession in Daakaka. Proceedings of AFLA 18. 156–170.
  • McFadden, Thomas. 2018. *ABA in stem-allomorphy and the emptiness of the nominative. In Pavel Caha & Guido Vanden Wyngaerd (eds.), Glossa: a journal of general linguistics; Special collection on *ABA; 3(1), 8, 1-36.
  • McFadden, Thomas. 2015. Preverbal ge- in Old and Middle English. In André Meinunger (ed.), Byproducts and side effects: Nebenprodukte und Nebeneffekte (ZAS Papers in Linguistics 58), 15-48.
  • McFadden, Thomas. 2014. On subject reference and the cartography of clause types: A commentary on the paper by Biswas. Natural Language and Linguistic Theory 32. 115-136.
  • McFadden, Thomas & Sandhya Sundaresan. 2018. Reducing pro and PRO to a single source. The Linguistic Review 35(3). 463–518.
  • McFadden, Thomas & Sandhya Sundaresan. 2014. Finiteness in South Asian languages: an introduction. Natural Language and Linguistic Theory 32. 1-28.
  • Peterse, Yorick, Jana Lasser, Giulia Caglio, Katarzyna Stoltmann, Dagmara Rusiecka & Martin Schmidt. 2018. Addressing the mental health crisis among doctoral researchers. PLOS ECR (Early Career Researcher) Community Blog. online.
  • Schwabe, Kerstin. 2015. On the licensing of argument conditionals. In Martin Aher, Emil Jerabek, Daniel Hole & Clemens Kupke (eds.), Logic, Language and Computation. 10th International Tbilisi Symposium TbiLLC 2013, 190-209. Berlin: Springer-Verlag.
  • Schwabe, Kerstin. 2013. Eine uniforme Analyse sententialer Proformen im Deutschen. Deutsche Sprache 41. 142-164.
  • Schwabe, Kerstin. 2012. The German Sentential Proform 'es' in All-Focus Sentences. In Johan Brandtler, David Hakansson, Stefan Huber & Eva Klingvall (eds.), Discourse & Grammar (A Festschrift in Honor of Valéria Molnár), 459-474. Lund: Lund University.
  • Schwabe, Kerstin & Robert Fittler. 2014. Über semantische Konsistenzbedingungen deutscher Matrixprädikate. Teil 1. Sprachtheorie und germanistische Linguistik 24.1. 45-75.
  • Schwabe, Kerstin & Robert Fittler. 2014. Über semantische Konsistenzbedingungen deutscher Matrixprädikate. Teil 2. Sprachtheorie und germanistische Linguistik 24.2. 123-150.
  • Schwabe, Kerstin & Robert Fittler. 2009. Semantic characterizations of German question-embedding predicates. In Peter Bosch, David Gabelaia & Jérôme Lang (eds.), Logic, language, and computation: 7th international Tbilisi symposium on logic, language, and computation, TbiLLC 2007, Tbilisi, Georgia, October 1-5, 2007, revised selected papers (Lectures Notes in Artificial Intelligence 5422), 229-241. Berlin: Springer.
  • Schwabe, Kerstin & Robert Fittler. 2009. Syntactic force of consistency conditions for German matrix predicates. In László Kálmán (ed.), Proceedings of the 10th symposium on logic and language, 157-166. Budapest: Research Institute for Linguistics, Hungarian Academy of Sciences (HAS), and Theoretical Linguistics Program, Eötvös Loránd University (ELTE).
  • Solstad, Torgrim & Bott, Oliver. 2017. Causality and Causal Reasoning in Natural Language. In Waldmann, Michael R. (ed.), The Oxford Handbook of Causal Reasoning, Chapter 31, pp 619-644. Oxford: Oxford University Press.
  • Stiebels, Barbara. 2010. Inhärente Kontrollprädikate im Deutschen. Linguistische Berichte 224. 391-440.
  • Sundaresan, Sandhya, Gillian Ramchand & Thomas McFadden (eds.). 2014. Finiteness in South Asian Languages (Natural Language and Linguistic Theory).

Veranstaltungen

  • 11.-12.05.2015:
    Workshop on Aspect in Embedded Clauses, ZAS (zusammen mit PB3).
  • 20.09.2013:
    Workshop 'Infinitives at the Syntax-Semantics Interface: A Diachronic Perspective'. 46th Annual Meeting of the Societas Linguistica Europaea, Split University, Croatia.
  • 05.08.2013:
    Workshop 'New Insights into the Syntax and Semantics of Complementation'. 21st International Conference on Historical Linguistics, University of Oslo.
  • 13.-14.04.2012:
    (Mis)matches in clause linkage, ZAS (zusammen mit PB3).
  • 23.- 25.02.2011:
    AG 'Inner-sentential propositional pro-forms: syntactic properties and interpretative effects'. DGfS-Jahrestagung, U Göttingen.
  • 04. - 06.02.2010:
    Syntax und Semantik satzeinbettender Prädikate im Deutschen (AG auf der 4. Tagung Deutsche Sprachwissenschaft in Italien in Rom; geleitet von André Meinunger (PB4) & Kerstin Schwabe (PB3))
  • 04. - 06.03.2009:
    Linking of sentential arguments (AG auf der DGfS-Jahrestagung in Osnabrück, geleitet von Barbara Stiebels & Tonjes Veenstra)
  • 12. - 13.12.2008:
    Syntax under lexical rule: the role of clause-embedding predicates
  • 02.01.2008:
    Questions and related issues