Gesprochene Sprache in Bewegungen: Erwerb und Adaptation von gesprochener Kommunikation im Kontext von Körperbewegungen (SALAMMBO)

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Im Alltag sprechen wir oft, während wir uns bewegen (z. B. beim gemeinsamen Gehen, beim Kochen oder beim Stricken) und wir bewegen uns, während wir sprechen (z. B. den Kopf, die Arme und Hände oder die Körperhaltung). Das Atmen vermittelt zwischen dem Sprechen und der Bewegung und ist eine Quelle für diese Aktivitäten: Es führt dem Gehirn und den Muskeln den nötigen Sauerstoff zu und der beim Ausatmen entstehende Luftstrom ist eine Voraussetzung für die Produktion von Lauten. Das Atmen ist also ein Schrittmacher für den Sprechfluss: Die beim Einatmen entstehenden Pausen werden mit Prosodie und Syntax koordiniert.

Im Einklang mit aktuellen Theorien zur situationsbezogenen und verkörperten Kognition und Sprache wird SALAMMBO eine neue Perspektive auf die Bewegung der Gliedmaßen als Kontext für die gesprochene Sprache und das Atmen als Vermittler zwischen Gliedmaßen und gesprochener Sprache entwickeln. Das Projekt wird einen interdisziplinären Zugang verfolgen, der Sprachwissenschaft, Bewegungswissenschaft und Psychologie vereint. Das erste Ziel ist die Erstellung eines neuen multimodalen Korpus, das mit moderner Technik aufgezeichnete Daten zur Bewegung der Gliedmaßen, zur Atmung sowie artikulatorische und akustische Daten kombiniert. Dabei wird ein longitudinaler und sprachübergreifender Ansatz verfolgt. Französische und deutsche Muttersprachlerinnen und Muttersprachler werden an drei unterschiedlichen Tagen Geschichten mit teils ungewöhnlichen Wörtern lesen und nacherzählen. Idiosynkratische Eigenschaften der Sprecherinnen und Sprecher wie körperliche Fitness und Körperbau, von denen bekannt ist, dass sie die Atmung und die Bewegungen der Gliedmaßen beeinflussen, werden als wichtige Faktoren berücksichtigt. Um die Verbindung zwischen Sprechen, Atmen und Gliedmaßen genauer analysieren zu können, werden Sprechaufgaben mit unterschiedlichen Bewegungsanforderungen durchgeführt: keine Bewegung der Gliedmaßen, freie Bewegung der Hände, rhythmische Bewegung der Beine oder Hände.

Dieses Korpus bildet dann die Grundlage für vier Forschungseinheiten, in denen die Verbindung zwischen gesprochener Sprache, Atmung und Bewegung der Gliedmaßen untersucht werden wird: a) der Einfluss von idiosynkratischen körperlichen Eigenschaften auf die Bewegung der Gliedmaßen, die Atmung und verschiedene linguistische Ebenen von Phonetik bis Syntax; b) der Einfluss von Bewegungen der Gliedmaßen auf die Sprechplanung sowie prosodische und segmentale Eigenschaften; c) die Koordination von Sprechen, Atmen und Bewegungen der Gliedmaßen, untersucht unter Zuhilfenahme ausgereifter Zeitreihenanalysen der Synchronisationen; und d) die Rolle der Bewegung der Gliedmaßen für das kurzfristige und langfristige Lernen von neuen Informationen und Vokabular.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den beiden Teams haben einen multidisziplinären Hintergrund und ergänzen einander mit Fachwissen in Sprach- und Kognitionswissenschaften, Sprachproduktion, multimodaler Kommunikation, Körpermotorik, Technik und Signalverarbeitung. Die Ergebnisse sollen in mehreren Schritten unterschiedlichen wissenschaftlichen und klinischen Forschergemeinschaften sowie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Die Ergebnisse des Projekts werden nicht nur die Grundlagenforschung durch ein besseres Verständnis von gesprochener Sprache im Kontext von Körperbewegungen bereichern, sondern werden auch für die angewandte Forschung im Bereich der Sprachpädagogik und Sprechtherapie nützlich sein.