Sprecherwahlmöglichkeiten und Sprachgebrauch

In der Kommunikation fällen Sprecher eine Vielzahl von Entscheidungen.  Genauer betrachtet stellt jede einzelne Äußerung einen Pfad in einem unendlichen Labyrinth an Möglichkeiten dar: „halbvoll“ oder „halbleer“, „einige“ oder „nicht alle“, „Du“ oder „Sie“, eine lautes „GUTEN TAG!“, lieber leise „guten tag“ oder irgendwo dazwischen? Jede dieser Entscheidungen hat Konsequenzen darauf, wie der Hörer das versteht (oder auch missversteht). Das Forschungsthema Sprecherwahlmöglichkeiten und Sprachgebrauch untersucht, auf welchen Pfaden durch das hochkomplexe Labyrinth der Sprache navigiert wird. Hierbei betrachten wir auf der einen Seite, wie ein Sprecher einen Pfad wählt, und auf der anderen Seite, wie der Hörer die Wahl dieses Pfades interpretiert.

Entscheidet sich ein Sprecher für eine von mehreren Alternativen, ist das fast nie zufällig, sondern gezielt, um einen bestimmten Bedeutungsaspekt auszudrücken. Daher wird das Thema aus Sicht der Semantik und Pragmatik bearbeitet, wobei aber syntaktische, kognitive und andere Bedingungen berücksichtigt werden müssen. Dabei wird eine enge Verknüpfung experimenteller und theoretischer Arbeit angestrebt.  Auf dieser Grundlage entwerfen wir formale Modelle der Entscheidungsprozesse und den Schnittstellen zur Syntax und Semantik. Der Vergleich verschiedener theoretischer Ansätze, insbesondere grammatikalischer, spieltheoretischer und algorithmischer Modelle ist eines der wesentlichen Ziele.  Außerdem interessieren wir uns besonders für den Einfluss von Sprecherwissen auf die Auswahl einer der Alternativen und vergleichen zum Beispiel Kinder und Erwachsene.

Neben den drei DFG-Projekten im Rahmen von XPrag.de Lexikalische Inferenz vs. Skalare Implikatur (Sauerland), Probabilistische Modellierung der Verwendung von Quantoren durch typische und atypische Sprecher (Krifka, Sauerland) und Experimentelle Spieltheorie und skalare Implikaturen: Untersuchung von Variationen im Kontext und Skalentyp (Benz) tragen auch die DFG-Projekte Abschwächende Polaritätselemente aus dem skalaren Bereich (Solt), Propositionaler und Non-at-issue Inhalt für die Textgenerierung: Eine Untersuchung zu QUD-Ansatz für die Diskursstrukturierung (Benz) und das SFB-Projekt Die Modellierung von semantischen Registerunterschieden (Solt & Sauerland) zu dem Forschungsthema bei.