Psycholinguistiklabor

Das Anfang 2015 entstandene Labor für Psycholinguistik entstand aus einem wachsenden Interesse am ZAS, psycholinguistische Methoden zu verwenden, um formale Theorien in der Semantik und Pragmatik experimentell zu testen. Inzwischen werden diese Methoden auch in anderen Forschungsbereichen angewendet, wie z.B. bei Untersuchungen an der Schnittstelle zwischen Pragmatik und Phonologie und bei Untersuchungen von Diskursphänomenen auf Wort- und Satzebene.

In den Experimenten kommen moderne Methoden wie das Messen von Reaktionszeiten, Lesezeiten, Blick- und Mausbewegungen, aber auch traditionelle Methoden wie Grammatikalitäts- und Akzeptabilitätsurteile zum Einsatz. Zudem ist es - dank des lokalen Netzwerks, an dem die Rechner angeschlossen sind - möglich, interaktive Experimente in Echtzeit durchzuführen. Durch die vier separaten Computerarbeitsplätze im Labor können mehrere Versuchspersonen gleichzeitig getestet werden, was zu einem effizienteren Datenerhebungsprozess führt. 2017 wurde am ZAS mit LingEX ein Anmeldesystem für sprachwissenschaftliche Studien eingerichtet, bei dem sich interessierte Teilnehmer für sprachwissenschaftliche Experimente am ZAS und an der Humboldt Universität Berlin registrieren können.

Methoden und Software

E-Prime bietet eine flexible und robuste Benutzeroberfläche für das Programmieren von Experimenten, die aus einer Zusammensetzung von Texten, Bildern, und Audio- und Videodateien bestehen. E-Prime vereinfacht die Vorverarbeitung der erhobenen Daten, in dem es ermöglicht, verschiedene experimentelle Variablen (wie z.B. Reaktionszeiten, Treffsicherheit, usw.) einzeln und in verschiedene Formate zu exportieren. Das Programm kann - in Kombination mit Aufnahmegeräten - auch dazu benutzt werden, Aspekte der Sprachproduktion zu untersuchen.

Der Tobii T60 Eyetracker ermöglicht mit der dazu passenden Software Tobii STUDIO eine Aufzeichnung der Blickbewegungen und eine einfache Datenanalyse. Außerdem verfügt das Labor über ein Tobii Erweiterungspaket für E-Prime. Dadurch können die Messungen von Blickbewegungen in ein bereits vorhandenes Experiment integriert werden.

Mousetracker ist eine Software, die von Prof. Jon Freeman an der NYU entwickelt wurde, um die Mausbewegungen von Probanden in Echtzeit aufzuzeichnen. Bei einem Mousetracker-Experiment werden Probanden mit einer Aufgabe am Computer konfrontiert, bei der sie sich zwischen mehreren Optionen entscheiden müssen, in dem sie mit der Computermaus auf die gewünschte Option klicken. Die Analyse der Mausbewegungen erlaubt es, den psychologischen Entscheidungsprozess zu verfolgen. So ist es möglich, Rückschlüsse auf einzelne Aspekte der Sprachverarbeitung zu ziehen.

Das Labor wurde als ein Ort konzipiert, an dem nicht nur die Durchführung, sondern auch die Planung und Programmierung von Experimenten sowie die Datenanalyse möglich ist. Die regelmäßigen Labortreffen bieten ZAS-MitarbeiterInnen und externen WissenschaftlerInnen die Möglichkeit, laufende Projekte vorzustellen und zu diskutieren. Somit ist das Labor ein ausgezeichneter Arbeitsort für Linguistikstudenten, Post-Docs und etablierte WissenschaftlerInnen, die experimentelle Methoden in ihre eigene Forschung aufnehmen wollen.

Das Laborteam arbeitet eng mit Linguisten und Psycholinguisten aus anderen Universitäten und Einrichtungen zusammen, wie z.B. der FU, HU, Universität Potsdam und dem XPrag.de-Netzwerk.