Soziale Bedeutung

Das Forschungsthema Soziale Bedeutung geht von der Annahme aus, dass auf der einen Seite Sprecher sich in ihrem engeren und weiteren sozialen Gefüge durch ihren Sprachgebrauch positionieren, und dass auf der anderen Seite Hörer durch linguistische Information (was sagt der Sprecher?) und soziale Information (wer ist der Sprecher?) eine Position oder Einstellung (“stance”) zum Sprecher entwickeln, die vom Sprecher durchaus beabsichtigt sein kann. Arbeiten zu diesen Themen sind bisher noch rar in Deutschland, sowohl was die Sprachproduktion als auch was die Perzeption betrifft. Das liegt unter anderem daran, dass traditionell der Dialektologie, also der regionalen Variation, mehr Bedeutung beigemessen wird als der sozial, situativ oder funktional bedingten Variation. Es soll untersucht werden, wie die Produktion und Interpretation von sprachlichen Merkmalen und Ausdrücken durch soziale Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung beeinflusst werden. Hierzu sollen qualitative Beschreibungen und quantitative experimentelle Erhebungen durchgeführt, aber auch theoretische Modellierung entwickelt werden.

Das Forschungsthema wird gestützt durch das Marie-Curie-Projekt How Language is used to oppress  (Popa-Wyatt) und durch drei Projekte des SFB Register: (a) Variation in situierter Interaktion (Jannedy), (b) Sprecherwahl in Kreolsprachcommunities: Bislama and Morisien (Krifka & Veenstra) und (c) Die Modellierung von semantischen Registerunterschieden (Solt & Sauerland) sowie die erfolgreiche Teilnahme an der Marie-Curie-ITN Ausschreibung ConversationalBrains(Fuchs). Ein weiteres Drittmittelprojekt, das zu dem Forschungsthema beiträgt, ist das DFG-Projekt Die Beziehung zwischen sozialem und grammatischem Geschlecht: ein neuartiger soziotheoretischer Ansatz (Steriopolo).