Neue empirische Sprachwissenschaft durch Verbindung von Sprachdokumentation, vergleichender Korpuslinguistik, Typologie und Sprachkontaktforschung (Empi-Ling)

Wie verschieden sind die ca. 7.000 derzeit gesprochenen Sprachen auf der Laut-, Form- und Bedeutungsebene und wo liegen die Grenzen der Verschiedenheit? Welche Prozesse führen zur Ausdifferenzierung und Angleichung von Sprachen? Zu diesen komplexen Fragen werden innerhalb verschiedener Forschungstraditionen Antworten gesucht, z.B. der Typologie, theoretischen Linguistik und Psycholinguistik. Allerdings sind diese häufig dadurch beschränkt, dass sie Daten, Methoden und Erkenntnisse aus jeweils anderen Teildisziplinen nicht hinreichend einbeziehen. Dieses Forschungsprojekt verbindet unterschiedliche Forschungstraditionen durch Kombination der folgenden Methoden:

(i)  ethnographische Feldforschung, um in Zusammenarbeit mit Muttersprachlern vor Ort Primärdaten zu erheben und zu erschließen;
(ii)  dokumentationslinguistische Methoden zum Aufbau und zur Archivierung elektronischer, multimedialer Korpora;
(iii)  qualitative linguistische Analysen, mit denen z.B. grammatische Strukturen beschrieben und Bedeutungskomponenten identifiziert werden;
(iv)  quantitative Korpusanalysen z.B. zu Häufigkeitsverteilungen und Sprechtempo;
(v)  quantitativer Sprachvergleich mit Hilfe von Datenbanken; und
(vi)  experimentelle psycholinguistische Methoden.

Die Verbindung dieser Methoden ermöglicht eine neue Art des Sprachvergleichs, der von wirklich vielfältigen Samples von Sprachen ausgeht und gleichzeitig theoretisch-linguistisch argumentieren kann. Entscheidend dabei ist, dass diese vielfältigen Sprachen nicht nur in Form von abstrakten, deskriptiven Aussagen in den typologischen Vergleich eingehen, sondern zusammen mit facettenreichen, auch semantischen und prosodischen Eigenschaften, die gesprochene Sprachen kennzeichnen in ihren jeweiligen soziolinguistischen, häufig vielsprachigen Äußerungskontexten. Somit wird einerseits ethnolinguistische, empirische Forschung für sprachtheoretische und psycholinguistische Theoriebildung nutzbar gemacht. Andererseits wird Sprachwissenschaft als empirische Wissenschaft im Zusammenspiel mit Nachbardisziplinen positioniert, indem sie durch direkte Verbindung mit multimedial dokumentierten Ereignissen spontanen Sprachgebrauchs reproduzierbare und nachhaltige Beiträge zur Theoriebildung liefert. In diesem Sinne werden in diesem Projeket eine Reihe konkreter Forschungsvorhaben zu den folgenden Themenbereichen durchgeführt: Sprachdokumentation, vergleichende Korpuslinguistik und Sprechtempo, Typologie, Sprachkontaktforschung und amerindische Sprachen.

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