Realizing Leibniz’s Dream: Child Languages as a Mirror of the Mind; Generator Group

Kinder auf der ganzen Welt erwerben Sprache und damit die menschliche Fähigkeit, komplexe Gedanken zu vermitteln. Dieses durch den Europäischen Forschungsrat geförderte Projekt entwickelt eine neue linguistische Theorie, um Sprache und ihren Erwerb zu erklären. Unsere zentrale Hypothese ist, dass Sprache Denkstrukturen radikal zu Zeichen oder Gesten verdichtet. Während aktuelle Theorien eine Parallele zwischen Denken und Sprache oder bedeutungserhaltenden Transformationen annehmen, gehen wir davon aus, dass das Denken auf Sprache abgebildet wird, indem jeweils nur einige Teile der begrifflichen Darstellungen realisiert werden. Die Sprache für Erwachsene ist bei der Komprimierung von Informationen sehr effizient. Aus diesem Grund waren Leibniz und viele andere in den letzten 300 Jahren nicht in der Lage, sich auf die Primitive des menschlichen Denkens zu einigen.

Wir sagen voraus, dass Kindersprachen ein besserer Spiegel des menschlichen Geistes sind. Unsere ersten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Kinder nicht in der Lage sind, konzeptuelle Darstellungen so effizient wie Erwachsene zu komprimieren. Manchmal produzieren Kinder mehr Material als Erwachsene, was zu so genannten Kommissionsfehlern führt, die nie systematisch untersucht wurden. Darüber hinaus ist das Verständnis für Kinder leichter, wenn Sprache und Denken eins zu eins übereinstimmen. Um unsere zentrale Hypothese zu testen und zu spezifizieren, wie die begriffliche Struktur in Sprache komprimiert wird, führen wir eine Reihe von mindestens zwölf gezielten Spracherwerbsstudien auf globaler Ebene durch. Für die Durchführung unserer Studien haben wir Mitarbeiter*innen für mehr als 50 Sprachen aus 21 verschiedenen Sprachfamilien, zwei Gebärdensprachen und zwei Kreolsprachen rekrutiert. Mit diesen Daten können wir ein vollständiges formales Modell der semantischen Primitive, ihrer Kombination zu konzeptuellen Strukturen, des morphologischen Kompressionsmechanismus und des Erwerbsprozesses innerhalb unseres Modells formulieren. Um diese Ziele zu erreichen, stützen wir uns auf Erkenntnisse aus der formalen Semantik, der generativen Syntax, der Distributionsmorphologie und verschiedenen anderen linguistischen Bereichen. Als Teil unserer Arbeit bilden wir auch die erste offene, globale Forschungszusammenarbeit zur Durchführung von Spracherwerbsstudien.

Das Projekt umfasst drei Forschungsgruppen; neben der Generator-Gruppe am ZAS die Kompressor-Gruppe an der Humboldt-Universität zu Berlin (PI Artemis Alexiadou) und die Acquirer-Gruppe an der Universität Mailand Bicocca (PI Teresa Guasti).