Komplexe Sätze in Sprachen brasilianischer Ureinwohner: Experimentelle und theoretische Untersuchungen (COSY)

Komplementsätze, Relativsätze, Infinitive, Kontrolle, eingebettete und lange Fragen, lange und logophorische Bindung sowie Adverbialsätze sind zentrale Themen der Grammatik gut untersuchter Sprachen. Ausserdem ist die Analyse komplexer Sätze in vielen Fällen erhellend für die Analyse einfacherer Sätze, wie zum Beispiel bei der Verb-Zweit- und Verb-End-Stellung im Deutschen. Deskriptive Arbeiten zu wenig untersuchten Sprachen hingegen betrachten selten komplexe Sätze, und die Werkzeuge, um theoretische interessante Daten zu komplexen Sätzen zu erheben, sind unterentwickelt.

Das Projekt COSY füllt diese Lücke für fünf Eingeborenensprachen Brasiliens: Maxakalí, Kaingang (beides Je-Sprachen), Yudja, Kawaiwete (beides Tupi-Sprachen), und Kuikuro (Carib-Sprachen). Der Beitrag von COSY besteht in zweierlei: theoretische Einsichten zu den syntaktischen und semantischen Prinzipien und Parametern der menschlichen Sprache und praktische Fortschritten bei Techniken, um komplexe Sätze in der Feldforschung zu beschreiben. Um diese Ziele zu erreichen, schafft COSY einen intensiven Austausch zwischen brasilianischen Wissenschaftlern der UFRJ und deutschen Wissenschaftlern am ZAS.

Die theoretischen Ziele von COSY betreffen das Verständnis der anfänglich genannten Bereiche und außerdem noch Referenzwechselmarkierung, Indexverschiebung, Kasussysteme, Evidentialität und Sprechaktmarkierung. Die genaue Untersuchung komplexer Satzstrukturen in den fünf amerindischen Sprachen wird zu neuen Entdeckungen führen, die für die syntaktische und semantische Theorie innerhalb des menschlichen Sprachvermögens wichtig sind. Die praktischen Fortschritte, auf denen diese Einsichten basieren, sind Techniken zur spontanen Elizitierung, eine verbesserte Übersichtsliste, und mehrere weitere Experimente, die COSY entwickelt, um systematisch Daten zu komplexen Sätzen zu sammeln. Im Rahmen der Verfeinerung dieser Techniken erstellen wir gleichzeitig einen einzigartigen Datenkorpus zu fünf wenig untersuchten und bedrohten brasilianischen Sprachen aus drei verschiedenen Sprachfamilien. Schließlich treibt das Projekt die Anwendung von neuartiger Technologie zur Analyse und Speicherung von Feldforschungsdaten in Zusammenarbeit mit kanadischen, holländischen, deutschen und brasilianischen Wissenschaftlern und Institutionen voran.