Institut

Das Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut des Landes Berlin, das gemeinsam von Bund und Ländern gefördert wird; Träger ist der Verein Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin (GWZ e.V.) . Am ZAS wird die menschliche Sprachfähigkeit und deren Ausprägung in Einzelsprachen erforscht. Ziel ist es, diese zentrale Fähigkeit des Menschen und ihre biologischen, kognitiven und sozialen Faktoren besser zu verstehen.  Durch das Verständnis der Strukturen von Sprache, ihres Erwerbs und der Verarbeitung werden Grundlagen für Anwendungen geschaffen, z.B. im Bereich Sprachdiagnostik oder Sprachtechnologie.

Am ZAS sind in aktuell vier Forschungsbereichen Experten aus allen Kernbereichen der Linguistik tätig: Phonetik, Phonologie, Morphologie, Syntax, Lexikon, Semantik und Pragmatik sowie dem kindlichen Spracherwerb. An die vier Forschungsbereiche sind extern eingeworbene Drittmittelprojekte angelagert, ein fünfter Forschungsbereich zu Sprachdokumentation und -archivierungist in Planung. Die Konzentration von aktiver Forschung in vielen linguistischen Teildisziplinen in einer einzigen Institution ist einmalig in Deutschland und ermöglicht einen direkten Austausch aktueller Forschungsergebnisse und Methoden. Zahlreiche Aufenthalte von Gastwissenschaftlern und Stipendiaten, nationale und internationale Workshops und Tagungen geben wichtige Impulse für die wissenschaftliche Arbeit am ZAS. Bis 2019 wird das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kernprogramm Einbettung, Verknüpfung und Konstituentengrenzen in Sprechsprache, Grammatik und Diskurs am ZAS bearbeitet.

Die wissenschaftliche Arbeit am ZAS beruht auf korpuslinguistischen Methoden und Feldforschung im osteuropäischen, afrikanischen und pazifischen Raum. Zur empirischen Überprüfung und experimentellen Modellierung von Vorhersagen können am ZAS ein Phonetik-Labor, ein Psycholinguistik-Labor und ein Motion-Capture-Labor genutzt werden. Eine Forschungsbibliothek mit ca. 58.200 Bänden steht den Mitarbeitern des Instituts und anderer linguistischer Einrichtungen sowie Studierenden sprachwissenschaftlicher Studiengänge in Berlin und Potsdam zur Verfügung. Das ZAS übernimmt Aufgaben in der universitären Lehre und in der Koordination sprachwissenschaftlicher Forschung in Berlin und von Verbundprojekten der EU.

Ein international besetzter Wissenschaftlicher Beirat begleitet die Arbeit des ZAS und berichtet jährlich dem BMBF und dem Land Berlin über die laufenden Aktivitäten. Als Einrichtung der GWZ steht es unter der Aufsicht der Mitgliederversammmlung und des Kuratoriums.

BMBF-Förderphase 2014-2019

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert bis 2019 das Kernprogramm Einbettung, Verknüpfung und Konstituentengrenzen in Sprechsprache, Grammatik und Diskurs. Untersucht werden die beiden elementaren Operationen, die zu komplexen sprachlichen Ausdrucken führen: die Neben- und die Unterordnung. Besondere Aufmerksamkeit gilt den dabei entstehenden Grenzen. Die Daten werden u. a. durch Feldforschung und durch phonetische und psycholinguistische Experimente gewonnen. Ziel ist eine formale Modellierung der Gesetzmäßigkeiten. Im BMBF-Kernprogramm werden in fünf Programmbereichen (PB) Konstituentengrenzen in der Sprechsprache, der Erwerb von diskurs-kohäsiven Mitteln bei Kindern, satzeinbettende Prädikate, die Verknüpfung von Sätzen sowie Beziehungen zwischen Satzsemantik und Diskursstrategien betrachtet.

Das BMBF-Kernprogramm wird von eingeworbenen Drittmittelprojekten ergänzt, welche u.a. durch die DFG, die Volkswagen-Stiftung, die Europäische Kommission, die European Science Foundation, die Investitionsbank Berlin und den Senat von Berlin gefördert wurden bzw. werden. Viele dieser Projekte lassen sich einem der folgenden Schwerpunkte zuordnen:

  1. Untersuchungen des Spracherwerbs, vor allem des Erlernens von Deutsch als Zweitsprache im Vor- und Grundschulalter. Hierzu werden für mehrsprachige Kinder bezüglich ihrer verschiedenen Sprachen Testverfahren zur Sprachstandmessung und zur Identifikation von Sprachstörungen entwickelt.

  2. Untersuchungen der Interpretation und Verwendung von sprachlichen Ausdrücken mit experimentellen Methoden, zum Teil mit dem Ziel von technischen Anwendungen.

  3. Dokumentation kleinerer und wenig bekannter Sprachen in Afrika, Südamerika und Ozeanien, zum Teil mit neuartigen Methoden.

Die Programmbereiche gehen ab 2020 vollständig in den Forschungsbereichen auf.

Geschichte

Januar 2017

Das Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft geht in die Leibniz-Gemeinschaft über und heißt seitdem Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft. Bis Ende 2019 wird inhaltlich am BMBF-Kernprogramm gearbeitet.

2008-2019

Das ZAS erhält vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Projektförderung, die an die Stelle der bisherigen Projektförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) tritt. Das geförderte Forschungsprogramm trägt den Titel Einbettung, Verknüpfung und Konstituentengrenzen in Sprechsprache, Grammatik und Diskurs. Die Grundausstattung wird vom Land Berlin getragen. Das Forschungsprogramm wird durch eine Reihe von weiteren Projekten ergänzt; Projektträger sind u. a. die DFG, die Volkswagen-Stiftung, die Europäische Kommission, die European Science Foundation, die Investitionsbank Berlin und der Senat von Berlin.

Januar 2006

In der Empfehlung des Wissenschaftsrats zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften in Deutschland werden die Forschungsleistungen des ZAS, des ZfL (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung) und des ZMO (Zentrum Moderner Orient) als hervorragend bewertet und es wird deren Weiterförderung und Weiterführung empfohlen.

2001

Professor Dr. Manfred Krifka übernimmt die Leitung des ZAS; er ist Lehrstuhlinhaber an der Humboldt-Universität zu Berlin.

1996-2007

Aufgrund einer Empfehlung des Wissenschaftsrats und gestützt durch Finanzierungszusagen des Landes Berlin und der DFG werden die Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlin (GWZ e.V.) gegründet. Diese Dachorganisation des ZAS beherbergt auch das Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) und das Zentrum Moderner Orient (ZMO). Bis zum Ablauf der ersten zwölfjährigen Förderphase Ende 2007 werden die meisten Mittel jeweils in verschiedenen Antragsphasen bei der DFG eingeworben. Die Grundausstattung des ZAS wird vom Land Berlin getragen und deckt ein Drittel der laufenden Kosten.

Das ZAS geht auf das Zentralinstitut für Sprachwissenschaft (ZISW) an der Akademie der Wissenschaften der DDR zurück. Nach der Wiedervereinigung werden 1992 Teile des international renommierten Instituts der Max-Planck-Gesellschaft angegliedert und in der Förderungsgesellschaft Wissenschaftliche Neuvorhaben als Forschungsschwerpunkt Allgemeine Sprachwissenschaft, Typologie und Universalienforschung (FAS) weitergeführt. Kommissarischer Leiter des FAS und Gründungsdirektor des ZAS war Professor Dr. Ewald Lang (*1942 †2013) von der Humboldt-Universität zu Berlin.